Freitag, 30 Oktober 2009

Melzer: "Ich bin ja doch nicht so ein schlechter Spieler"

In der Stadthalle entdeckt Österreich an Jürgen Melzer eine neue Seite, die ihn nach einem deutlichen Erfolg über die Nummer zwei Radek Stepanek erstmals ins -Wien-Halbfinale bringt.
tennis, melzer
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Ich sehe durchwegs zufriedene Gesichter, als ich knapp nach 17:30 Uhr von der Tribüne Richtung Pressezentrum eile. "Der Melzer hat heut echt sauguad gspielt, hätt ich nicht glaubt", vernehme ich aus dem Hintergrund. Nichts Selbstverständliches, ist doch zwischen Österreichs Langzeit-Nummer eins und dem heimischen Tennis-Publikum einiges vorgefallen.

So stark der Deutsch-Wagramer schon in St. Pölten oder Kitzbühel spielte (jeweils Finale), so enttäuschend verlief so manche seiner Daviscup-Vorstellungen. 2009 erinnert sich der Filzkugel-Fanatiker noch mit Graus an das Duell mit Deutschland, als Melzer gegen Philipp Kohlschreiber eine komfortable 2:0-Satzführung aus der Hand gab und so die Niederlage gegen die Nachbarn einleutete. Dass er ein mentales Nackerpatzl sei, war da noch die harmloseste Anschuldigung.

Melzer: "Endlich sehen mich die Leute so"
Dieser Tage gewinnt die rot-weiß-rote Melzer-Aktie einiges an Kredit. Wer die Nummer 14 der Welt in 61 Minuten mit 6:2, 6:2 abfertigt, hat sich diesen auch redlich verdient. "Ich fühle keine Genugtuung", sagt Melzer zunächst, um dann doch etwas stolz folgendes zu behaupten. "Ich bin nicht so ein schlechter Tennisspieler wie manche vielleicht glauben. Es ist schön, dass mich die Leute in Österreich auch einmal so spielen sehen."

Die Vergangenheit hat Melzer noch nicht ganz zur Seite gelegt. "In Österreich habe ich teilweise Kritik eingesteckt, die für mich nicht nachvollziehbar ist." Melzer sammelt in der Stadthalle nicht nur durch seine spielerischen Qualitäten, sondern auch durch sein Auftreten verloren geglaubte Sympathiepunkte. Die geballte Faust und unüberhörbare Anfeuerungsrufe waren lange Zeit nicht Teil seines Spiels. Da kommt es umso gelegener, diese vor Heimpublikum zu zeigen.

Melzer wünscht sich Monfils vergeblich
In seinem ersten Wien-Halbfinale bekommt es das ÖTV-Ass mit Janko Tipsarevic zu tun. Der Serbe bezwingt Gael Monfils in einer packenden und hochklassigen Begegnung mit 6:4, 6:7 (8), 6:3. Lieber wäre Melzer der Franzose gewesen. "Gegen Monfils habe ich bei den French Open vor 16.000 und vor 12.000 Fans gespielt. Jetzt hätte ich ihn gerne einmal in meiner Heimat gehabt."

Das bislang einzige Duell zwischen Tipsarevic und Melzer endete mit einem 6:4, 6:3-Sieg des 25-Jährigen aus Belgrad. Das zweite Halbfinale bestreiten Marin Cilic (CRO/1) und Philipp Kohlschreiber (GER/4).

Der Spielplan für Samstag

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