| Dienstag, 13 Oktober 2009 | |
Evers: "Einen wie Maier gibt's nur alle 100 Jahre"
Hermann Maiers Wegbegleiter im sportnet.at-Doppelinterivew: Andi Evers und Toni Giger über den plötzlichen Rücktritt, gemeinsame Erfahrungen, den "Menschen Maier" und mögliche künftige Berufsfelder für den Herminator.
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"Pfiat eich." Zwei Worte, die das Leben des Hermann Maier am 13. Oktober 2009 um 360 Grad wendeten. Nie mehr auf ein Rennen vorbereiten, nie mehr angespannt im Starthaus stehen. Für den vielleicht größten heimischen Skifahrer aller Zeiten beginnt fast exakt vier Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Vancouver ein neuer Lebensabschnitt.
sportnet.at blickt gemeinsam mit seinem langjährigen persönlichen Coach Andi Evers und ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger in den Rückspiegel einer einzigartigen Karriere.
sportnet.at: Wie überraschend kommt dieser Rücktritt für dich?
Andi Evers: "Um ehrlich zu sein, habe ich es mir schon ein bisschen gedacht. Sein Herz hat ja gesagt, sein Körper nein. Er wollte so aufhören, die Entscheidung ist gut."
Toni Giger: "Wenn ein Sportler in einem solchen Alter ist, muss man immer damit rechnen, auch wenn ich mir als Trainer gewünscht hätte, dass er noch weiterfährt. Ich spreche einen Läufer wegen einem Karriereende nie offen an. Das habe ich weder bei Strobl noch bei Eberharter so gemacht. Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich alleine treffen muss. Ich bin einfach froh, dass Hermann nicht deswegen zurücktreten muss, weil er körperlich am Ende ist. Nichtsdestotrotz ist sehr viel Wehmut dabei. Ich bin mit Hermann aufgestiegen und seit 1999 Cheftrainer."
Hast du mit Tränen gerechnet?
Andi Evers: "Doch, der Hermann kann ein sehr emotionaler Typ sein. DIe eine oder andere Träne habe ich erwartet."
Toni Giger: "Ja. Er hatte schon immer viele Seiten. Einmal war er sehr nachdenklich, ein anderes Mal wieder für jeden Spaß zu haben."
Laut eigenen Angaben war Hermann voll fit, hätte auch wieder um Siege mitfahren können. Warum hört man dann so urplötzlich auf? Immerhin steht eine Olympia-Saison auf dem Programm.
Andi Evers: "Nach seiner Knie-Operation im Frühjahr wollte er so nicht aufhören. Er ist mit dem Alter eben in gewissen körperlichen Regionen anfälliger geworden, das wird mit 36 Jahren auch nicht mehr besser."
Toni Giger: "Diese allmählich auftauchenden, körperlichen Verschleißerscheinungen prägen sich im Bewusstsein ein. Jetzt kann er sein Leben weiter genießen und Spaß an dem haben, was er gerne macht."
Was war die schönste und enttäuschendste beziehungsweise erschreckendste gemeinsame Erfahrung?
Andi Evers: "Es gibt so viele Highlights, da ist es schwer ein einzelnes herauszugreifen. Das letzte war definitiv der Sieg im Super-G von Lake Louise 2008. Enttäuschend war die WM in St. Anton 2001, als er in Summe um acht Zehntel Sekunden drei Goldene verpasst hat, am Ende je einmal Silber und Bronze geholt hat."
Toni Giger: "Er hat Dinge vollbracht, die ihm keiner mehr zugetraut hat. Nach dem Sturz in der Nagano-Abfahrt haben ihm alle Mediziner geraten, nicht den Super G zu fahren. Er hat es doch gemacht und Gold gewonnen. Während meiner Zeit als Cheftrainer hat er ein Viertel aller Siege beigesteuert. Das sagt alles über seine grandiose Karriere. In negativer Erinnerung bleiben all seine Stürze und speziell der Motorradunfall. Ich war am Weg retour von Chile, als ich davon informiert wurde. Anfangs wusste ich nicht, wie schlimm es um Hermann bestellt ist, ob Kopf oder Wirbelsäule betroffen sind. Ich habe um sein Leben gebangt."
Was hat den "Menschen Maier" charakterlich ausgezeichnet?
Andi Evers: "Seine Zielstrebigkeit und sein Wille. Ihm wurden im Laufe seiner Karriere viele Prügel in den Weg gelegt, doch er hat sich immer wieder nach oben gearbeitet. So einen wie ihn gibt es nur alle 100 Jahre."
Toni Giger: "Hermann ist eine Persönlichkeit, die nicht in ein paar Sätzen beschreibbar ist. Er ist ehrgeizig und irrsinnig lernfähig. Wenn er sich etwas zum Ziel gesetzt hat, hat er es solange konsequent verfolgt, bis er es erreicht hat. Er war das, was man schon in der Antike gerne als Held bezeichnet hat. Seine Geschichte mit all ihren Facetten ist einzigartig."
Inwiefern ist der Rücktritt auch ein Verlust für das ÖSV-Team?
Andi Evers: "Hermann hat sich immer gerne im Umfeld des Teams aufgehalten und viel Spaß gehabt. Er hat immer die meiste mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen, insofern ist es sicher eine Umstellung für die anderen Herren. Dennoch war Hermann in den letzten Jahren nicht mehr dieser Seriensieger, war auch schon im Sommertraining nicht mehr dabei. Man wird ohne ihn klar kommen."
Toni Giger: "Uns geht ein enormes Zugpferd verloren. Es war für jeden Läufer ein Privileg, mit ihm in einer Mannschaft zu sein. Den Jungen ist er immer mit einem Rat zur Seite gestanden. Im Endeffekt ist Skifahren aber ein Einzelsport, jeder ist auf sich alleine gestellt."
In welchem Tätigkeitsbereich könntest du dir Hermann Maier in näherer Zukunft vorstellen? Als Trainer? Oder vielleicht als TV-Kommentator?
Andi Evers: "Der Hermann wäre überall gut aufgehoben. Ich könnte ihn mir gut als Funktionär in der FIS vorstellen. Dort könnte er so manches bewegen."
Toni Giger: "Egal, was er sich vornimmt: Er wird es gut machen. Hermann ist nun mal ein Perfektionist."
sportnet.at blickt gemeinsam mit seinem langjährigen persönlichen Coach Andi Evers und ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger in den Rückspiegel einer einzigartigen Karriere.
sportnet.at: Wie überraschend kommt dieser Rücktritt für dich?
Andi Evers: "Um ehrlich zu sein, habe ich es mir schon ein bisschen gedacht. Sein Herz hat ja gesagt, sein Körper nein. Er wollte so aufhören, die Entscheidung ist gut."
Toni Giger: "Wenn ein Sportler in einem solchen Alter ist, muss man immer damit rechnen, auch wenn ich mir als Trainer gewünscht hätte, dass er noch weiterfährt. Ich spreche einen Läufer wegen einem Karriereende nie offen an. Das habe ich weder bei Strobl noch bei Eberharter so gemacht. Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich alleine treffen muss. Ich bin einfach froh, dass Hermann nicht deswegen zurücktreten muss, weil er körperlich am Ende ist. Nichtsdestotrotz ist sehr viel Wehmut dabei. Ich bin mit Hermann aufgestiegen und seit 1999 Cheftrainer."
Hast du mit Tränen gerechnet?
Andi Evers: "Doch, der Hermann kann ein sehr emotionaler Typ sein. DIe eine oder andere Träne habe ich erwartet."
Toni Giger: "Ja. Er hatte schon immer viele Seiten. Einmal war er sehr nachdenklich, ein anderes Mal wieder für jeden Spaß zu haben."
Laut eigenen Angaben war Hermann voll fit, hätte auch wieder um Siege mitfahren können. Warum hört man dann so urplötzlich auf? Immerhin steht eine Olympia-Saison auf dem Programm.
Andi Evers: "Nach seiner Knie-Operation im Frühjahr wollte er so nicht aufhören. Er ist mit dem Alter eben in gewissen körperlichen Regionen anfälliger geworden, das wird mit 36 Jahren auch nicht mehr besser."
Toni Giger: "Diese allmählich auftauchenden, körperlichen Verschleißerscheinungen prägen sich im Bewusstsein ein. Jetzt kann er sein Leben weiter genießen und Spaß an dem haben, was er gerne macht."
Was war die schönste und enttäuschendste beziehungsweise erschreckendste gemeinsame Erfahrung?
Andi Evers: "Es gibt so viele Highlights, da ist es schwer ein einzelnes herauszugreifen. Das letzte war definitiv der Sieg im Super-G von Lake Louise 2008. Enttäuschend war die WM in St. Anton 2001, als er in Summe um acht Zehntel Sekunden drei Goldene verpasst hat, am Ende je einmal Silber und Bronze geholt hat."
Toni Giger: "Er hat Dinge vollbracht, die ihm keiner mehr zugetraut hat. Nach dem Sturz in der Nagano-Abfahrt haben ihm alle Mediziner geraten, nicht den Super G zu fahren. Er hat es doch gemacht und Gold gewonnen. Während meiner Zeit als Cheftrainer hat er ein Viertel aller Siege beigesteuert. Das sagt alles über seine grandiose Karriere. In negativer Erinnerung bleiben all seine Stürze und speziell der Motorradunfall. Ich war am Weg retour von Chile, als ich davon informiert wurde. Anfangs wusste ich nicht, wie schlimm es um Hermann bestellt ist, ob Kopf oder Wirbelsäule betroffen sind. Ich habe um sein Leben gebangt."
Was hat den "Menschen Maier" charakterlich ausgezeichnet?
Andi Evers: "Seine Zielstrebigkeit und sein Wille. Ihm wurden im Laufe seiner Karriere viele Prügel in den Weg gelegt, doch er hat sich immer wieder nach oben gearbeitet. So einen wie ihn gibt es nur alle 100 Jahre."
Toni Giger: "Hermann ist eine Persönlichkeit, die nicht in ein paar Sätzen beschreibbar ist. Er ist ehrgeizig und irrsinnig lernfähig. Wenn er sich etwas zum Ziel gesetzt hat, hat er es solange konsequent verfolgt, bis er es erreicht hat. Er war das, was man schon in der Antike gerne als Held bezeichnet hat. Seine Geschichte mit all ihren Facetten ist einzigartig."
Inwiefern ist der Rücktritt auch ein Verlust für das ÖSV-Team?
Andi Evers: "Hermann hat sich immer gerne im Umfeld des Teams aufgehalten und viel Spaß gehabt. Er hat immer die meiste mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen, insofern ist es sicher eine Umstellung für die anderen Herren. Dennoch war Hermann in den letzten Jahren nicht mehr dieser Seriensieger, war auch schon im Sommertraining nicht mehr dabei. Man wird ohne ihn klar kommen."
Toni Giger: "Uns geht ein enormes Zugpferd verloren. Es war für jeden Läufer ein Privileg, mit ihm in einer Mannschaft zu sein. Den Jungen ist er immer mit einem Rat zur Seite gestanden. Im Endeffekt ist Skifahren aber ein Einzelsport, jeder ist auf sich alleine gestellt."
In welchem Tätigkeitsbereich könntest du dir Hermann Maier in näherer Zukunft vorstellen? Als Trainer? Oder vielleicht als TV-Kommentator?
Andi Evers: "Der Hermann wäre überall gut aufgehoben. Ich könnte ihn mir gut als Funktionär in der FIS vorstellen. Dort könnte er so manches bewegen."
Toni Giger: "Egal, was er sich vornimmt: Er wird es gut machen. Hermann ist nun mal ein Perfektionist."
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