| Samstag, 07 November 2009 | |
Straka: "Djokovic und Nadal haben Priorität"
-Stadthallen-Turnierdirektor und - Manager-Schwergewicht Herwig Straka im sportnet.at-Interview über seinen Wiener Wunschzettel, unvermeidbare Absagen und das mediale Ungleichgewicht im ORF.
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sportnet.at: Die Stadthalle durfte heuer zufrieden Bilanz ziehen, die Besucherzahlen waren nicht zuletzt dank des Finalerfolgs von Jürgen Melzer sehr gut. Braucht es denn überhaupt einen absoluten Topstar?
Herwig Straka:: "Man muss zwischen zwei Dingen unterscheiden. Es gibt ein paar echte Topstars, richtige Ticketseller, zu denen ich neben Federer, Nadal und Djokovic mittlerweile auch schon Del Potro zähle. Außerdem gibt es Top-10-Spieler, die keinen klingenden Namen haben, ein gut spielender Österreicher dem Turnier sicher mehr bringt. Man darf nicht glauben, dass man nur mit einem Top-10-Spieler die Halle voll bekommt."
Mit US-Open-Sieger Del Potro hatte man bis eineinhalb Wochen vor Turnierstart kräftig geworben, ehe er abgesagt hat. Haben Sie als Turnierdirektor denn auch Verständnis für die immer wiederkehrenden Absagen von Superstars?
"Del Potro war müde und nicht in Form. Ich verstehe ihn zu 100 Prozent, nur kann ich es nicht akzeptieren. Ich habe auch einmal einen schlechten Tag und gehe in der Früh trotzdem zur Arbeit. Del Potro hat eine Vorbildwirkung und gegenüber dem Sport eine Verpflichtung. Jetzt kann man überlegen, ob es so nicht sogar besser ist, als wenn Del Potro hier spielt und dann in der ersten oder zweiten Runde gegen einen Qualifikanten verliert. Spieler die sich nur das Geld abholen haben nicht den besten Ruf."
Welche Überlegungen gibt es, Spieler für solch kurzfristige Absagen zu strafen?
"Eine Strafe einzuführen ist praktisch unmöglich. Wenn ich jede Woche Tennis spiele tut mir auch irgendwas weh. Heute geht es darum Spieler zu verpflichten, denen man vertrauen kann. Absagen wird man leider nie verhindern können. Willkürliche Rückzieher sollte man allerdings schon verhindern. Dagegen wird man in Zukunft strikter vorgehen müssen. Am besten wäre es, den Spieler für einen gewissen Zeitraum zu sperren. Das Problem: Man schadet nachfolgenden Turnieren. Wie kommt ein anderes Turnier dazu, dass ein Spieler gesperrt ist?
Wird man mit Del Potro 2010 einen dritten Anlauf wagen?
"Er ist nicht unsere erste Priorität. Ganz oben steht Djokovic, dahinter Nadal. Federer bekommen wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Egal, wie viel Geld wir ihm bieten könnten. Er spielt langfristig in Basel (Woche nach Wien, Anm.), danach in Paris und das Masters."
Zählt für Spieler nur noch das Geld oder lässt sich so mancher auch noch mit einer schönen Stadt, einem netten Rahmenprogramm und gutem Essen locken?
"Es gibt natürlich viele Entscheidungsfaktoren, warum man für ein Turnier nennt oder eben nicht. Der Wohlfühlfaktor ist ein wichtiger, aber steht sicher nicht ganz oben. Zuerst muss das Geld stimmen und das Turnier in den Jahresplan passen. Wien hat jedenfalls einen sehr guten Ruf. Die Stadt hat viel zu bieten, ich bekomme immer wieder Lob von Spielern. John Isner zum Beispiel war heuer schwer begeistert."
Auf Seite 2 lesen Sie, warum die TV-Berichterstattung kränkelt, was Straka von Daniel Köllerer hält und warum Thomas Vanek anfangs auch als Schauspieler durchging.
Jürgen Melzer zählt in einer Weltsportart zu den 30 besten seiner Zunft. Im Fußball wird man vergebens einen Österreicher suchen, der zu den Top 30 gehört. Dennoch geht Tennis in der medialen Berichterstattung im Vergleich zum Fußbal brutal unter. Ist die öffentliche Wahrnehmung eine falsche?
"Die Medien erzeugen das Interesse. Wenn man im ORF nicht die Möglichkeit hat, Tennis kontinuierlich zu verfolgen, ist es schwer, das öffentliche Interesse aufrecht zu erhalten. Bei Fußball und Ski ist es einfach, das siehst du jeden Tag. Aber Tennis ist definitiv eine Sportart, die die Leute interessiert."
Auch der Spartensender ORF SPORT PLUS dürfte vor der Absetzung stehen.
"Was natürlich auch nicht förderlich für den Tennissport wäre. Womöglich werden wir künftig auch mit Privatsendern reden. Der Nachteil dieser globalen Sporart sind die relativ hohen Einkaufspreise, da haben die Privaten womöglich nicht das nötige Budget."
Der Sport lebt von Typen, Daniel Köllerer ist ein solcher. Was halten Sie von ihm?
"Wenn er seine positiven Emotionen wie in der Stadthalle kanalisieren kann, ist es perfekt. Wenn nicht, ist es kontraproduktiv. Wenn er sich richtig entwickelt, kann er als Typ weltweit gefragt sein."
Sie managen viele Sportler, unter anderem Thomas Vanek. Wie lässt sich das Management in den Bereichen Tennis und Eishockey vergleichen?
"In Österreich musste man den Leuten zuerst einmal klar machen, dass Thomas Vanek kein Schauspieler, sondern Eishockeyspieler ist. Heute dürfte Vanek etwa einen ähnlichen Bekannheitsgrad wie Jürgen Melzer haben. Prinzipiell ist ein Einzelsportler aber einfacher zu vermarkten als ein Mannschaftssportler, der noch dazu in einer Ausrüstung steckt und im Ausland ist. Das ist ja das Phänomen bei den Skifahrern. Bis auf Maier, Raich und Schild, die von Plakaten lachen, ist der Wiedererkennungswert im Sommer gleich Null."
Herwig Straka:: "Man muss zwischen zwei Dingen unterscheiden. Es gibt ein paar echte Topstars, richtige Ticketseller, zu denen ich neben Federer, Nadal und Djokovic mittlerweile auch schon Del Potro zähle. Außerdem gibt es Top-10-Spieler, die keinen klingenden Namen haben, ein gut spielender Österreicher dem Turnier sicher mehr bringt. Man darf nicht glauben, dass man nur mit einem Top-10-Spieler die Halle voll bekommt."
Mit US-Open-Sieger Del Potro hatte man bis eineinhalb Wochen vor Turnierstart kräftig geworben, ehe er abgesagt hat. Haben Sie als Turnierdirektor denn auch Verständnis für die immer wiederkehrenden Absagen von Superstars?
"Del Potro war müde und nicht in Form. Ich verstehe ihn zu 100 Prozent, nur kann ich es nicht akzeptieren. Ich habe auch einmal einen schlechten Tag und gehe in der Früh trotzdem zur Arbeit. Del Potro hat eine Vorbildwirkung und gegenüber dem Sport eine Verpflichtung. Jetzt kann man überlegen, ob es so nicht sogar besser ist, als wenn Del Potro hier spielt und dann in der ersten oder zweiten Runde gegen einen Qualifikanten verliert. Spieler die sich nur das Geld abholen haben nicht den besten Ruf."
Welche Überlegungen gibt es, Spieler für solch kurzfristige Absagen zu strafen?
"Eine Strafe einzuführen ist praktisch unmöglich. Wenn ich jede Woche Tennis spiele tut mir auch irgendwas weh. Heute geht es darum Spieler zu verpflichten, denen man vertrauen kann. Absagen wird man leider nie verhindern können. Willkürliche Rückzieher sollte man allerdings schon verhindern. Dagegen wird man in Zukunft strikter vorgehen müssen. Am besten wäre es, den Spieler für einen gewissen Zeitraum zu sperren. Das Problem: Man schadet nachfolgenden Turnieren. Wie kommt ein anderes Turnier dazu, dass ein Spieler gesperrt ist?
Wird man mit Del Potro 2010 einen dritten Anlauf wagen?
"Er ist nicht unsere erste Priorität. Ganz oben steht Djokovic, dahinter Nadal. Federer bekommen wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Egal, wie viel Geld wir ihm bieten könnten. Er spielt langfristig in Basel (Woche nach Wien, Anm.), danach in Paris und das Masters."
Zählt für Spieler nur noch das Geld oder lässt sich so mancher auch noch mit einer schönen Stadt, einem netten Rahmenprogramm und gutem Essen locken?
"Es gibt natürlich viele Entscheidungsfaktoren, warum man für ein Turnier nennt oder eben nicht. Der Wohlfühlfaktor ist ein wichtiger, aber steht sicher nicht ganz oben. Zuerst muss das Geld stimmen und das Turnier in den Jahresplan passen. Wien hat jedenfalls einen sehr guten Ruf. Die Stadt hat viel zu bieten, ich bekomme immer wieder Lob von Spielern. John Isner zum Beispiel war heuer schwer begeistert."
Auf Seite 2 lesen Sie, warum die TV-Berichterstattung kränkelt, was Straka von Daniel Köllerer hält und warum Thomas Vanek anfangs auch als Schauspieler durchging.
Jürgen Melzer zählt in einer Weltsportart zu den 30 besten seiner Zunft. Im Fußball wird man vergebens einen Österreicher suchen, der zu den Top 30 gehört. Dennoch geht Tennis in der medialen Berichterstattung im Vergleich zum Fußbal brutal unter. Ist die öffentliche Wahrnehmung eine falsche?
"Die Medien erzeugen das Interesse. Wenn man im ORF nicht die Möglichkeit hat, Tennis kontinuierlich zu verfolgen, ist es schwer, das öffentliche Interesse aufrecht zu erhalten. Bei Fußball und Ski ist es einfach, das siehst du jeden Tag. Aber Tennis ist definitiv eine Sportart, die die Leute interessiert."
Auch der Spartensender ORF SPORT PLUS dürfte vor der Absetzung stehen.
"Was natürlich auch nicht förderlich für den Tennissport wäre. Womöglich werden wir künftig auch mit Privatsendern reden. Der Nachteil dieser globalen Sporart sind die relativ hohen Einkaufspreise, da haben die Privaten womöglich nicht das nötige Budget."
Der Sport lebt von Typen, Daniel Köllerer ist ein solcher. Was halten Sie von ihm?
"Wenn er seine positiven Emotionen wie in der Stadthalle kanalisieren kann, ist es perfekt. Wenn nicht, ist es kontraproduktiv. Wenn er sich richtig entwickelt, kann er als Typ weltweit gefragt sein."
Sie managen viele Sportler, unter anderem Thomas Vanek. Wie lässt sich das Management in den Bereichen Tennis und Eishockey vergleichen?
"In Österreich musste man den Leuten zuerst einmal klar machen, dass Thomas Vanek kein Schauspieler, sondern Eishockeyspieler ist. Heute dürfte Vanek etwa einen ähnlichen Bekannheitsgrad wie Jürgen Melzer haben. Prinzipiell ist ein Einzelsportler aber einfacher zu vermarkten als ein Mannschaftssportler, der noch dazu in einer Ausrüstung steckt und im Ausland ist. Das ist ja das Phänomen bei den Skifahrern. Bis auf Maier, Raich und Schild, die von Plakaten lachen, ist der Wiedererkennungswert im Sommer gleich Null."
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